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Q1 / 2026

KENESS

Für Keness, 21 Jahre alt und aus Bern, war Tanzen lange Zeit vor allem eines: ein Hobby neben der Schule. Aufgewachsen im akrobatischen Rock’n’Roll, den bereits seine Eltern betrieben, war er von klein auf mit Training, Disziplin und Leistung vertraut. Doch im Zentrum stand zunächst vor allem eines: gewinnen. Er trainierte auf hohem Niveau, sammelte Wettkampferfahrung und lernte, was es bedeutet, als Spitzensportler konsequent an sich zu arbeiten.

Mit der Zeit veränderte sich sein Blick auf den Tanz. Als er begann, unabhängig von Wettkämpfen für sich selbst zu trainieren und verschiedene Stile wie Jazz, Contemporary oder Commercial auszuprobieren, entdeckte er eine neue Seite des Tanzens. Es ging nicht mehr nur darum, eine Leistung abzuliefern. Es ging um Gefühl, Ausdruck und darum, sich selbst zu verwirklichen. Heute beschreibt Keness das Tanzen deshalb nicht mehr als etwas, das er nebenbei macht, sondern als sein „Lebenselixier“. Wenn er tanzt, fühlt er sich so sehr bei sich selbst wie sonst kaum.

Seine Kreativität entsteht dabei nicht an einem einzigen Ort. Eine seiner grössten Inspirationsquellen sind die Menschen um ihn herum. Tänzerkollegen, Content Creator und andere Kunstschaffende geben ihm neue Impulse und helfen ihm, sich nicht nur tänzerisch, sondern auch mental weiterzuentwickeln. Eine ebenso wichtige Rolle spielt die Musik. Für Keness ist es nicht immer er, der die Musik führt – manchmal ist es die Musik, die seinen Körper führt.

Auch Content betrachtet er als eine eigene Form von Kunst. Videos zu schneiden, einen bestimmten Look zu entwickeln oder wiederkehrende Elemente einzubauen, sind für ihn Möglichkeiten, seine Persönlichkeit und seine Geschichte auszudrücken. Kunst endet für ihn deshalb nicht bei einer Choreografie. Sie kann ebenso in einem Video, einem Schnitt, einem Kleidungsstil oder einem bestimmten Gefühl stecken.

Auch beim Choreografieren folgt Keness keinem starren Rezept. Manchmal entsteht eine Idee aus einem Song, manchmal aus einem Menschen, den er auf der Strasse sieht, einem Outfit oder ganz einfach einem bestimmten Vibe. Wenn ihn ein Lied inspiriert, hört er es immer und immer wieder und zerlegt es regelrecht in seine kleinsten Bestandteile. Jeder Beat, jeder Sound und jede kleine Veränderung kann dabei zum Ausgangspunkt für eine Bewegung werden.

Keness möchte nicht nur zeigen, wo er angekommen ist, sondern auch, wie er dorthin gekommen ist. Gerade das fehlte ihm selbst, als er jünger war. Er sah Tänzer auf grossen Bühnen und träumte davon, eines Tages selbst dort zu stehen – doch kaum jemand zeigte ihm, was hinter diesen Momenten steckt.

Deshalb möchte er heute selbst dieses Vorbild sein. Nicht nur die spektakuläre Bühne soll sichtbar sein, sondern auch das Training, die Castings, der Druck, Selbstzweifel und sogar die scheinbar langweiligen Dinge wie Büroarbeit oder Steuererklärungen. Für ihn gehört all das zum Beruf dazu. Er möchte jungen Menschen damit einen realistischen Einblick in die professionelle Tanzwelt geben und ihnen zeigen, dass auch hinter einer grossen Bühne ein ganz normales Leben steckt.

Sein eigener Weg hat ihn inzwischen auf zahlreiche Bühnen geführt – von der Schweiz über Paris und London bis nach Monaco und Deutschland. Er stand unter anderem beim Eurovision Song Contest, bei den Swiss Music Awards und in verschiedenen TV-Shows auf der Bühne. Momente, die er sich als Kind noch im Fernsehen angesehen und von denen er geträumt hatte, sind heute Realität.

Trotz dieser Erfahrungen ist Nervosität für Keness kein Fremdwort. Bei Castings oder Jobs gehört er nach eigener Aussage oft zu denjenigen, die besonders nervös werden und sich fragen: „Bin ich gut genug?“ Der Unterschied liegt für ihn darin, wie er mit diesen Gedanken umgeht.

Wenn er selbst choreografiert, fühlt er sich sicher. Es ist seine Bewegung, sein Körper, seine Idee. Bei einem Job hingegen weiss er nicht, was ihn erwartet. Dann hilft ihm die Erinnerung daran, wie viele Jahre er trainiert und wie viele Castings er bereits absolviert hat. Er muss nicht immer der Schnellste sein, wenn es darum geht, eine Choreografie zu lernen. Dafür arbeitet er so lange daran, bis sie sitzt.

Entscheidend ist für ihn das Vertrauen in sich selbst. Sich nicht ständig mit anderen zu vergleichen, sich zu beruhigen und sich bewusst zu machen, dass man aus einem Grund dort ist. Besonders wertvoll findet Keness dabei den Moment, in dem er realisiert: Er wird tatsächlich dafür bezahlt, etwas zu tun, wovon er als Kind geträumt hat. Für ihn ist dieses Gefühl manchmal sogar noch stärker als der Moment auf der Bühne selbst. Denn hinter jedem solchen Auftritt stehen Jahre voller Höhen und Tiefen.

Genau diese Erfahrungen möchte Keness auch an die nächste Generation weitergeben. Deshalb engagiert er sich unter anderem bei Resilience, einem Projekt, das jungen Schweizer Sängerinnen, Sängern und Tänzerinnen und Tänzern die Möglichkeit gibt, sich auf die professionelle Szene vorzubereiten. Dabei geht es nicht nur um Technik und Kraft, sondern auch um Choreografie, Stage Presence und darum, als Artist auf einer Bühne bestehen zu können. Gleichzeitig steht der Zusammenhalt innerhalb der Community im Mittelpunkt.

Für Keness zeigt sich darin auch, wie wichtig es ist, dass verschiedene Bereiche der Kunst nicht nebeneinander, sondern miteinander arbeiten. Tänzer, Sänger, Musiker, Content Creator und andere Artists können sich gegenseitig inspirieren und neue Welten entstehen lassen. Jeder bringt eine eigene Perspektive und eine eigene Sprache mit – und gerade aus dieser Verbindung kann etwas Neues entstehen.

Denn am Ende geht es für Keness nicht nur darum, selbst auf der Bühne zu stehen. Es geht darum, eine Szene mitzugestalten, in der Menschen sich gegenseitig unterstützen, voneinander lernen und gemeinsam wachsen. Wenn Artists aus unterschiedlichen Bereichen ihre Kräfte verbinden, bleibt die Kunst lebendig. Und genau dieses gemeinsame Erleben, Schaffen und Weitergeben ist es, was eine Szene langfristig am Leben erhält.

English

From Competitive Sport to Art

For Keness, a 21-year-old dancer from Bern, Switzerland, dance was once simply a hobby — something he did alongside school and everything else in his life. Growing up in acrobatic Rock ’n’ Roll, a discipline his parents also practiced, he was introduced to training and performance from an early age. He quickly became a high-level athlete, where discipline, hard work and results were at the centre of everything.

Over time, however, his relationship with dance began to change. When he started training more for himself rather than focusing on competitions, and explored styles such as Jazz, Contemporary and Commercial, he discovered another side of movement. Dance was no longer just about performance or winning. It became about emotion, expression and discovering who he really was.

Today, Keness describes dance as his “lifeline”. It has become much more than something he does on the side — it has become a way of expressing himself. He says there is no moment when he feels more like himself than when he is dancing.

Finding Inspiration Everywhere

Keness does not find inspiration in just one place. Some of his biggest influences are the people around him. His fellow dancers, Content Creators and other creatives constantly give him new perspectives and inspire him to develop not only as an artist, but also as a person.

Music plays an equally important role. For Keness, it is not always about controlling the music. Sometimes, he feels that the music is the one guiding him — guiding his body, his movement and ultimately his creativity.

He also sees Content Creation as a form of art. Editing a video, creating a certain visual identity or adding recurring elements to his Vlogs are all ways for him to tell a story and show his personality. For him, there is no strict separation between “art” and “content”. Content can be art too.

His choreography process is just as unpredictable. Sometimes an idea comes from a song, sometimes from a person he sees in the street, a specific outfit, a feeling or simply the energy of the people around him. When music inspires him, he listens to it over and over again, paying attention to every beat, every sound and every small detail until movement begins to form naturally in his mind.

The Journey Behind the Big Stages

Keness does not only want to show people where he has arrived. He also wants to show them how he got there. When he was younger, he often saw dancers performing on huge stages and dreamed of doing the same. What he rarely saw, however, was everything that happened behind the scenes.

That is something he wants to change. Rather than only showing the glamorous moments, Keness wants to show the training, auditions, pressure, self-doubt and even the less exciting parts of being a professional artist — from administration to taxes and everyday responsibilities. For him, all of these things are part of the reality behind the stage.

His own journey has already taken him to numerous stages and cities across Switzerland and abroad, including Paris, London, Monaco and Germany. He has performed at events such as the Eurovision Song Contest and the Swiss Music Awards, as well as on various television shows.

For someone who once watched these events on television as a child and thought, “One day, I will be there,” actually standing on those stages is a powerful reminder of how far he has come.

Learning to Trust Himself

Despite his experience, Keness is the first to admit that nerves and self-doubt are still part of his life. At auditions and jobs, he can be extremely nervous and sometimes wonders whether he is good enough.

The difference is learning how to deal with those thoughts.

When he choreographs himself, he feels safe. The movement comes from his own body, his own creativity and his own process. He trusts it because he knows how much work went into creating it. On a job, however, he does not know what to expect. That is when he reminds himself of everything he has already learned through years of training and countless auditions.

He has also learned that he does not have to be the fastest person in the room. Sometimes he needs longer to learn choreography, but once he has learned it, he knows it. For Keness, trusting yourself and not constantly comparing yourself to others is essential.

Perhaps the most meaningful part of his career is not even being on stage. It is the realisation that he is being paid to do something he dreamed about as a child. Looking back at the years of hard work, the ups and downs and everything it took to get there makes those moments incredibly special.

Building a Scene Together

Keness now wants to pass those experiences on to the next generation. That is one of the reasons why he is involved with Resilience, a project that gives young Swiss singers and dancers the opportunity to train and prepare for the professional scene. As part of the project, he works with dancers on strength, technique, choreography and stage presence, while also supporting artists who sing and perform.

For Keness, projects like this show how important community is within the creative scene. Dance, music, Content Creation and other forms of art should not exist separately. Artists from different disciplines can inspire each other, learn from one another and create something that none of them could have created alone.

Everyone brings their own perspective, their own language and their own experience. When those worlds come together, new ideas emerge.

And perhaps that is one of the most important messages behind Keness’ journey: a scene does not stay alive through individual success alone. It stays alive when artists support each other, collaborate, share their experiences and create together.

Because when different forms of art come together, we do more than create — we keep the scene alive.

Curated by: Gabriela Mennel

Written by: Gabriela Mennel

Pictures by: Dafina Haziraj

Video by: Umut Balcin

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